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Rheinland-Pfälzisches
FREILICHTMUSEUM
Bad Sobernheim

Tel.:06751/3840
Fax:06751/1207

 Email: info[at]freilichtmuseum-rlp.de

 

Museumskonzept Rheinland-Pfälzisches Freilichtmuseum Bad Sobernheim

verabschiedet vom Stiftungsrat und wissenschaftlichen Beirat, Stand: 15.11.2007

1. Auftrag

Das Rheinland-Pfälzische Freilichtmuseum Bad Sobernheim ist das zentrale Freilichtmuseum für das Bundesland Rheinland-Pfalz. Es vermittelt einem sozial wie altersmäßig breit gestreuten Publikum Wissen über die alltäglichen Arbeits-, Wohn- und Lebensverhältnisse der Menschen an Mosel, Mittelrhein und Nahe, in Rheinhessen, der Eifel und der Pfalz, auf dem Hunsrück und im Westerwald vornehmlich des ländlichen Raumes vom späten Mittelalter bis in die jüngere Vergan­genheit.

Um einen möglichst umfassenden und realistischen Eindruck von diesen Lebensverhältnissen zu vermitteln, wurden und werden aussagekräftige historische Gebäude in den verschiedenen Landesteilen dokumentiert und abgebaut und im Rheinland-Pfälzischen Freilichtmuseum unter freiem Himmel möglichst originalgetreu wieder aufgebaut („transloziert“). Im Rahmen einer freilichtmuseal-ganzheitlichen Präsentationsweise erhalten die Gebäude eine detailgetreue Einrichtung mit Hausrat, Mobiliar und Arbeitsgeräten, die sich an historischen Vorbildern orientiert. Neben verschiedenen Bauern- und Winzerhöfen, Wassermühle, Kegelbahn, Tanzsaal, Schul-, Rat- und Backhäusern konnten bisher Ladenlokale (Kolonialwaren und Kleineisen) sowie diverse Werkstätten – Dorfschmiede, Druckerei, Drechslerei, Schuhmacherei, Metzgerei mit Schlachthaus, Uhrmacherwerkstatt, Frisörsalon – eingerichtet werden.

Das Umfeld der Gebäude bilden Hausgärten, Wiesen-, Weide- und Ackerflächen, die ebenfalls nach historischen Vorbildern angelegt und mit alten Kulturpflanzen bestückt werden. Für eine Belebung der Präsentation sorgen Haus- und Nutztiere, die ehemals regionaltypischen, heute aber vielfach vom Aussterben bedrohten Rassen angehören. Diverse museumspädagogische Programme sowie zahlreiche Informations- und Aktionstage vermitteln die Museumsinhalte auf lebendige Weise in Form eines Bildungserlebnisses.

In seiner ganzheitlichen Darstellungsweise orientiert sich das Rheinland-Pfälzische Freilichtmuseum an den Leitlinien des Verbandes europäischer Freilichtmuseen, in seiner Arbeit ist es den vom Internationalen Museumsrat (ICOM) und dem Deutschen Museumsbund (DMB) festgelegten ethischen Richtlinien für Museen verpflichtet: Es sammelt demnach Objekte, die aus Rheinland-Pfalz stammen und für die geschichtliche Entwicklung der Alltagskultur des Landes Aussagekraft besitzen. Es bewahrt diese Objekte durch sachgemäße Lagerung und Konservierung für zukünftige Generationen auf, stellt über sie und die Zusammenhänge, in denen sie standen, Forschungen an und vermittelt die gewonnenen Erkenntnisse in Dauer- und Sonderausstellungen, Publikationen, Seminaren und museumspädagogischen Angeboten seinem Publikum.

 

2. Geschichte, Trägerschaft, personelle und finanzielle Situation

Das 1973 gegründete und zunächst von einem Zweckverband getragene Rheinland-Pfälzische Freilichtmuseum Bad Sobernheim befindet sich seit 2003 in Trägerschaft der gemeinnützige Ziele verfolgenden „Stiftung Rheinland-Pfälzisches Freilichtmuseum Bad Sobernheim“. Diese ist eine Körperschaft öffentlichen Rechts und wird zur Hälfte vom Landkreis Bad Kreuznach und zu je einem Viertel von der Verbandsgemeinde und der Stadtgemeinde Bad Sobernheim getragen.

Von großer Bedeutung ist der „Freundeskreis Freilichtmuseum Bad Sobernheim e.V.“, der nicht nur aktiv an der Gründung des Freilichtmuseums beteiligt war, sondern auch den laufenden Betrieb finanziell sowie mit ehrenamtlichem Engagement personell unterstützt.

Neben den Beiträgen der Stifter, den erwirtschafteten Einnahmen (Eintrittsgelder, Gebühren), den Zuwendungen von Freundeskreis und weiteren Sponsoren sind es vor allem die Mittel, die das Land Rheinland-Pfalz im Rahmen einer institutionellen Förderung gewährt, die die Kosten für Betrieb, Pflege, Auf- und Ausbau des Museums decken.

Insgesamt wird jährlich ein Finanzvolumen von ca. 800.000 € bewegt. Hiervon steht rund ein Viertel für den weiteren Auf- und Ausbau des Museums mit Gebäuden, Anlagen und Einrichtungen zur Verfügung.

Der Stellenplan des Rheinland-Pfälzischen Freilichtmuseums sieht zur Zeit sieben feste, davon zwei halbe, Stellen vor. Neben der wissenschaftlichen Museumsleitung sind dies zwei halbe Kräfte für Verwaltungsarbeiten und Öffentlichkeitsarbeit sowie vier Mitarbeiter im technischen Bereich (Schreinermeister als technischer Leiter, Maurer, Zimmermann, Schlosser). Die Museumssammlung wird im Rahmen eines geringfügigen Beschäftigungsverhältnisses betreut. Daneben ist das Museum Einsatzstelle für ein bis zwei Zivildienstleistende, ein bis zwei Teilnehmer am Freiwilligen Ökologischen Jahr und mehrere Personen, die im Rahmen des Arbeitslosengeldes II für ihre Tätigkeit im Museum eine Mehraufwandsentschädigung erhalten. Den Besucherservice (Kassendienst, Aufsicht) decken zur Zeit ehrenamtliche Helfer aus dem Freundeskreis des Museums ab, Führungen und museumspädagogische Programme ehrenamtliche und Honorarkräfte. Mitglieder des Freundeskreises unterstützen die Museumsarbeit zudem bei der Durchführung vieler Veranstaltungen.

 

3. Aufbaukonzept und Sammlung

In einem Seitental der Nahe – dem sogenannten Nachtigallental – wurde ein 35 ha großes Areal ausgewiesen, auf dem sich die Gebäude ihrer regionalen Herkunft gemäß in den vier Baugruppen oder „Museumsdörfern“ Mosel-Eifel, Pfalz-Rheinhessen, Mittelrhein-Westerwald und Hunsrück-Nahe gruppieren. 1977 konnte mit dem Schul- und Backhaus aus Neuwied-Heddesdorf das erste Gebäude der Öffentlichkeit übergeben werden; inzwischen sind 36 Gebäude aufgebaut, 18 weitere werden in den kommenden Jahren folgen. Damit ist das Rheinland-Pfälzische Freilichtmuseum das größte Museum dieser Art in Rheinland-Pfalz.

Außer den bereits genannten Hausgärten, Wald-, Feld-, Wiesen- und Weideflächen runden ein Heilkräutergarten, ein Museumsweinberg, ein Lehrbienenstand und ein Naturlehrpfad die museale Präsentation ab und bieten attraktive Anknüpfungspunkte für die naturpädagogische Vermittlungsarbeit.

Der Schwerpunkt der Sammlungen des Rheinland-Pfälzischen Freilichtmuseums liegt auf Gegenständen der rheinland-pfälzischen Alltagskultur, wie Hausrat und Mobiliar, Kleidung und anderen Textilien sowie Werkzeugen, Maschinen und Geräten aus Landwirtschaft, Weinbau und verschiedenen Handwerken. Zeitlich konzentrieren sich die Sammlungen auf das ausgehende 19. und die 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Um den Besuchern auch ältere Zeitschnitte präsentieren zu können, sind in Zukunft verstärkt entsprechende Objekte zu sammeln. Hierzu ist die derzeit unbefriedigende Magazinsituation nachhaltig zu verbessern, damit die gesammelten Artefakte keinen Schaden durch unsachgemäße Lagerung nehmen und dauerhaft für zukünftige Generationen bewahrt werden.

Daneben besteht ein besonderer Sammlungsschwerpunkt in historischem Spielzeug. Das Rheinland-Pfälzische Freilichtmuseum verfügt über eine große Puppen- und Blechspielzeugsammlung.

Ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt – die Geschichte und Gegenwart des Weinbaus in Rheinland-Pfalz – ergibt sich aus dem im Aufbau befindlichen „Haus der Rheinland-Pfälzischen Weinkultur“, das die Prägung des Landes Rheinland-Pfalz durch den Weinbau thematisieren wird.

 

4. Partner und Kooperationen

Um seine Aufgaben auf einem hohen Qualitätsniveau erfüllen zu können, ist das Rheinland-Pfälzische Freilichtmuseum in ein Netz fachlicher Kontakte und Beziehungen (Mitgliedschaften im: Verband europäischer Freilichtmuseen, Arbeitskreis für Hausforschung AHF, Deutschen Museumsbund, Museumsverband Rheinland-Pfalz, Arbeitskreis Museumspädagogik), eingebunden, das ständig gepflegt und ausgebaut wird. Außerdem unterstützt ein gemäß der ganzheitlichen Darstellungsweise interdisziplinär zusammengesetzter wissenschaftlicher Beirat die Arbeit des Museums. Darüber hinaus bestehen nicht nur enge Kontakte zur Abteilung Kulturanthropologie/Volkskunde des Deutschen Instituts der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, sondern auch zu zahlreichen Architekturhistorikern, Haus- und Bauforschern, da der Museumsleiter dem Arbeitsausschuss des Arbeitskreises für Hausforschung angehört. Schließlich bestehen intensive Kontakte zum Landschaftsverband Rheinland, insbesondere zum Amt für Rheinische Landeskunde in Bonn und dem Rheinischen Freilichtmuseum Kommern.

Finanzielle Unterstützung haben in der Vergangenheit immer wieder die Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur, der Kultursommer Rheinland-Pfalz sowie das Land Rheinland-Pfalz gewährt. Bedeutendere Sponsoringpartnerschaften bestehen unter anderem zu der Sparkasse Rhein-Nahe und der RWE Rhein-Ruhr AG.

Am Rande des Kur- und Erholungsortes Bad Sobernheim in einer touristisch sehr attraktiven und gut erschlossenen Region (mittleres Nahetal) gelegen, versteht sich das Rheinland-Pfälzische Freilichtmuseum als touristischer Leistungsträger von überregionaler Bedeutung, dessen Besu­cher als Tagesausflügler aus ganz Rheinland-Pfalz bzw. als Touristen außerhalb von Rheinland-Pfalz kommen. Entsprechend kooperiert das Museum mit verschiedenen Anbietern der Tourismus­wirtschaft (Jugendherbergen, Rheinland-Pfalz-Card, SWR-Kulturcard...).

 

5. Zielgruppen

Mit seinen verschiedenen Angeboten richtet sich das Rheinland-Pfälzische Freilichtmuseum an ein sozial wie altersmäßig breit gestreutes Publikum, das von Schulklassen und Jugendgruppen über Familien mit Kindern und Paaren bis hin zu Reise- und Seniorengruppen reicht. Während der von Ende März bis Ende Oktober dauernden siebenmonatigen Museumssaison hat das Museum in den letzten Jahren zwischen 50.000 und 60.000 Besuche mit steigender Tendenz verzeichnen können, was seine Rolle als bedeutende Bildungs- und Freizeiteinrichtung unterstreicht. Rund zehn Prozent der Besuche fallen auf betreute Schulklassen und Jugendgruppen; der Großteil der Besucher stammt aus dem Landkreisen Bad Kreuznach, Mainz-Bingen, Idar-Oberstein und Rhein-Hunsrück. Erste Erfolge zeigen intensivierte Werbeanstrengungen, die dem Museum Besucherpotenzial aus der weiteren Umgebung (Regionen Pfalz, Rhein-Main, Hunsrück) erschließen.

Das Rheinland-Pfälzische Freilichtmuseum ist landschaftlich überaus reizvoll in einem Seitental der Nahe gelegen. Deshalb und wegen seiner ganzheitlich-konkreten freilichtmusealen Präsentations­weise besitzt es einen sehr hohen Freizeit- und Erholungswert. Da jeder Museumsbesuch zugleich ein Spaziergang an der frischen Luft ist, können und dürfen die Besucher sich zwangloser verhalten als beim Besuch eines konventionellen „Vitrinenmuseums“. Letzteres gilt insbesondere für Kinder und Jugendliche sowie Hundehalter, da Hunde ins Museum mitgenommen werden dürfen. Damit ist das Rheinland-Pfälzische Freilichtmuseum eine Bildungseinrichtung, die Menschen jeden Alters und verschiedenster sozialer Herkunft anspricht.

Um eine nachhaltige Bindung seiner Besucher an das Museums zu erzeugen, die zu Wiederholungs- und Mehrfachbesuchen sowie einer Weiterempfehlung im Freundes- und Bekanntenkreis und damit insgesamt zu einem großen Besucherkreis und einer ebensolchen Vermittlungsweite der dargestell­ten Inhalte führt, legt das Rheinland-Pfälzische Freilichtmuseum seiner Vermittlungsarbeit ein größtmögliches Maß an Besucherorientierung zugrunde. Zu dieser zählen neben einer auf die Belange der verschiedenen Besuchergruppen angepassten Infrastruktur (Besucherleitung, Toiletten mit Babywickelräumen in jeder Baugruppe, Behinderten-WC, Museumsladen, Gastronomie, Kinderspielplatz) und besucherfreundliches Personal, vor allem die anschauliche, allgemein verständliche Gestaltung von Dauer- und Sonderausstellungen sowie Publikationen.

Diverse zielgruppengemäße museumspädagogische Angebote, die die dargestellten Themen durch aktive Einbeziehung der Teilnehmer vermitteln sowie besondere Aktionstage, die bestimmte Themen vertiefen, ohne das Erholungs- und Unterhaltungsbedürfnis der Besucher zu vernach­lässigen, weisen das Rheinland-Pfälzische Freilichtmuseum als besonders attraktiven außerschulischen Lernort aus.

Zur Besucherbindung lässt das Rheinland-Pfälzische Freilichtmuseum zudem museale Neben­nutzungen zu (standesamtliche Trauungen, Vermietung von Räumlichkeiten für Seminare, Präsentationen, Workshops oder Feierlichkeiten), die jedoch den eigentlichen Bildungsauftrag des Museums nicht gefährden dürfen.

 

6. Ausblick

Angesichts tiefgreifender Modernisierungstendenzen, die gerade auch den ländlichen Raum und seine Kultur betreffen, kommt dem Rheinland-Pfälzischen Freilichtmuseum mit seiner ganzheit­lichen Darstellung vergangener alltäglicher Lebensverhältnisse eine immer größer werdende Bedeutung als materieller Wissensspeicher zu. Die Präsentationen des Freilichtmuseums geben eine überaus anschauliche und sehr konkrete historische Folie ab, die es Menschen – zumal Kindern und Jugendlichen – ermöglicht, ihre Gegenwart besser erkennen, verstehen und bewerten zu können, was wiederum eine wichtige Voraussetzung dafür ist, aktiv an der Gestaltung der Zukunft teilhaben zu können.

Darüber hinaus kann das Rheinland-Pfälzische Freilichtmuseum das Wachsen eines rheinland-pfälzischen Landesbewusstseins fördern, da es hier möglich ist, an einem Ort kulturelle Äußerungen und damit das kulturelle Erbe aus allen Teilen des Landes in seiner ganzen Vielfalt zu sehen.

In Zukunft gilt es, die Stellung des Rheinland-Pfälzischen Freilichtmuseums als zentrale und größte Einrichtung dieser Art in Rheinland-Pfalz durch den kontinuierlichen weiteren Aus- und Aufbau, der auch die Bereiche Magazinierung des Sammlungsguts und Infrastruktur beinhalten muss, zu festigen und auszubauen. Im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung ist dabei auch die konti­nuierliche Unterhaltung der bereits aufgebauten Häuser sicherzustellen.

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