Bad Sobernheim

Museumsfest zog Tausende ins Nachtigallental: Riesenprogramm bei Superwetter

Wilhelm Meyer aktualisiert: 01.10.2018, 11:53 Uhr

Ein Nachmittag voll wunderbarer Gelassenheit mit Riesenprogramm und Superwetter war das 43. Museumsfest des Rheinland-pfälzischen Freilichtmuseums. Wieder einmal haben die Stiftung Freilichtmuseum und der Freundeskreis Bad Sobernheim am letzten Sonntag im Septembe zum Jahreshöhepunkt eingeladen.

 

 

Das Bad Sobernheimer Museumsfest durfte sich gestern Mittag Hoffnung auf einen Rekordbesuch machen. Die genauen Zahlen waren noch nicht zu erfahren. Trotz allen Trubels ging es bei der Lese im Museumsweinberg fast schon ruhig zu.
Das Bad Sobernheimer Museumsfest durfte sich gestern Mittag Hoffnung auf einen Rekordbesuch machen. Die genauen Zahlen waren noch nicht zu erfahren. Trotz allen Trubels ging es bei der Lese im Museumsweinberg fast schon ruhig zu.
Foto: wilhelm meyer

Gleich in Sichtweite des Eingangs gab es den beliebten Jahrmarkt mit der Schiffsschaukel, die fast zum Wahrzeichen des Fests geworden ist. Beim Karussell für die Kleinsten musste man genauer hinschauen, um all die schönen Details zu entdecken. Und dann mussten dieses Mal die Eltern nicht traurig hinterherschauen, wenn es für ihre Kinder in die Luft ging. Im historischen Fliegerkarussell konnten sie im gleichen Flugzeug mit abheben.

Dazu kamen dann die kleinen Jahrmarktsklassiker: Buden mit Glücksrad, Dosenwerfen, Fischeangeln, und dem Hau-den-Lukas, bei dem man sich freilich gründlich blamieren konnte. Es gab eine Fülle von Ständen,und die boten allerlei vom Schmuck über Wolle bis hin zu Antiquitäten, selbstgemachter Seife und Gartenutensilien.

Überall pulsiert das Leben

Vor allem aber ist das Fest eine Schau all dessen, was dieses Museum im Alltag bietet. In allen Häusern pulsierte das Leben. Da wurde geschmiedet, gedrechselt, gewaschen, gesponnen, Besen gebunden, gedroschen, gekeltert, gebacken und gekocht. Die kulinarische Rundumbetreuung wartete selbst in entferntesten Ecken auf Besucher, etwa hinter der kleinen Kneipe, wo das Kartoffeldämpferteam Köstlichkeiten produzierte. Dirk Leyendecker und Dirk Schöffler beherrschen den klassischen Kartoffeldämpfer. Schöffler feuerte die Glut an, Leyendecker blies dazu kräftig in ein Nebelhorn. Was ein Dampfer kann, muss auch ein Dämpfer können. Begeistert waren die Kinder, die Leyendecker nicht immer zur Freude der den Tinitus fürchtenden Eltern tuten ließt. „Hier gibt es das beste Essen im ganzen Museum“, sagte er: „Das müssen die Leute erfahren.“ Dank Nebelhorn und Mundpropaganda verkauften sie tatsächlich Unmengen Kartoffeln.

 

 

Volker Priewe ließ sich gern beim Hufeisenschmieden unterstützen.
Volker Priewe ließ sich gern beim Hufeisenschmieden unterstützen.
Foto: wilhelm meyer

Nicht alle setzten auf Lautstärke. Auch zarter Kaffeeduft sorgte für Warteschlangen. Der schönste Kaffeeplatz war zweifellos im Baumschatten vorm Winterburger Tanzsaal, aber selbst vom Bienenstand im Wald oberhalb des Weinbergs duftete es verführerisch. Die Imker Werner Hoseus, Dieter Grau und Helmut Sittel waren begeistert, wie viele interessierte Besucher es bis hin zu dem doch etwas abgelegenen Stand der Imker geschafft hatten. Ein herrliche Gelassenheit strahlte die große Binnenwiese im Nahe/Hunsrückdorf aus.

Zu den Kindern, die sich mit der Herstellung dicker Seifenblasen beschäftigten, gesellten sich Besucher, die sich Kuchen aus dem Winterburger Tanzsaal geholt hatten. Wer aus dem Treiben ausbrechen wollte, konnte im Museumsweinberg bei der Lese helfen. Helmut Weck und Frank Mohr von der Meddersheimer Winzergenossenschaft erklärten, was zu tun ist. Und leckere Trauben konnte man nebenbei auch naschen. 90 Grad Öchsle mindestens schätzte Weck. Dazu brauche er kein Refraktometer, das schmecke er so.

Wie war das damals 1910?

Fasziniert waren die Besucher immer wieder vom Treiben der Projektgruppe 1910. Wie sich das Leben im Hunsrück damals abgespielt haben könnte, erfuhr man im Schusterhaus Wallhausen. Das Authentische faszinierte. Eine Seltenheit war auch zu riechen: Rinderbraten gab es 1910 wohl auch nur zu höheren Festtagen.

 

 

Fast schon das Wahrzeichen des Museumsfestes ist die Schiffsschaukel im Eingangsbereich.
Fast schon das Wahrzeichen des Museumsfestes ist die Schiffsschaukel im Eingangsbereich.
Foto: wilhelm meyer

Lange Aufenthalte konnte man sich eigentlich nirgends erlauben, wenn man alles sehen wollte. Und dann noch das Puppentheater besucht wurde, dauerte es ohnehin, da ging man nicht schnell vorbei. Das Hohensteiner Puppentheater Mlynek hätten mit seinen beiden Kinderklassikern „Rumpelstilzchen“ und „Räuber Hotzenplotz“ allein schon den Museumsbesuch gelohnt. Wollte man den müden Beinen Ruhe gönnen, fand sich ein Plätzchen, an dem man sich neben gutem Essen noch durch feinste Musik unterhalten lassen konnte. Sei es von der Band Mario Schöffels, der Stadtkapelle Bad Sobernheim, der Band Sunrise, Leon Herrmann mit seinen Gitarrenimprovisationen oder vom Blasorchester Staudernheim und den Bockenauer Dorfmusikanten.

Von unserem Mitarbeiter Wilhelm Meyer